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Mit der neusten Ankündigung der Swisscom, die FTTH-Netzarchitektur anzupassen, versucht sie, der WEKO Wind aus den Segeln zu nehmen. Ausgangslage für die WEKO ist, ob „Swisscom beim Bau des Glasfasernetzes Konkurrenten vom Markt ausschliesst“. Schlussendlich geht es aber nicht um Netzarchitektur, vielmehr sollte die WEKO sicherstellen, dass der aktuelle Infrastrukturwettbewerb auch nach der Kupfer-Ära gesichert ist. 

Im Quartalsbericht Q3 2022 macht Swisscom folgende Aussage: «Damit Kunden die schnellen FTTH-Anschlüsse nutzen können, hat Swisscom entschieden, im Netzausbau neue Anschlüsse grösstenteils in der Punkt-zu-Punkt-Architektur (P2P) auszuführen und bereits bestehende P2MP-Anschlüsse teilweise in P2P umzubauen.“ Ausgangslage ist das laufende Verfahren der Wettbewerbskommission zur von Swisscom gewählten Netzarchitektur Punkt zu Multipunkt (P2MP). 

Point-to-point P2P

Jeder Kunde wird mit einer dedizierten Glasfaser ab zentralem POP erschlossen und kann so individuell bedient wer

Point-to-multipoint P2MP

Eine Faser ab POP bedient viele Kunden. Diese Faser wird im Feld auf viele einzelne Fasern aufgeteilt, das ganze wird dann als „Baum“ (ein Stamm, viele Äste) bezeichnet. Damit kann ein Baum, nicht aber ein Kunde individuell bedient werden.

Bereits in unserem Blog vom Januar 2021 haben wir dafür plädiert, die FTTH-Infrastruktur offen und damit «diskriminierungsfrei allen Interessierten» verfügbar zur Nutzung zu bauen. Die Ankündigung der Swisscom schafft technisch die Voraussetzung dafür und ist eine Abkehr von der auf Layer 1 nur bedingt offenen P2MP-Architektur, nach der Swisscom in den letzten rund drei Jahre 400’000 Anschlüsse gebaut hat. Wie weit eine solche Öffnung dann auch umgesetzt wird, ist eine andere Frage und insbesondere, wie viele umgebaute Anschlüsse mit «grösstenteils» gemeint sind. Die Öffnung der Glasfasernetze erfolgt nach wie vor auf freiwilliger Basis, wenn die Weko nicht noch eine explizite Verfügung erlässt. Fredy Künzler vom Provider Init7, der mit seiner Klage die Weko-Untersuchung ins Rollen gebracht hat, verlangt laut Computerworld denn auch einen vollständigen Umbau der P2MP-Anschlüsse. In der Regel verfolgen mit öffentlichen Mitteln finanzierte Glasfasernetze dieses offene Geschäftsmodell. 

Die weitere Entwicklung dieses Disputs (FTTH-Architektur der Swisscom) bleibt abzuwarten. Der Ball war und bleibt bei der WEKO. Die Aktion der Swisscom ändert die Ausganslage nur unwesentlich. 2020 hat die Weko ihre Untersuchung eröffnet, weil sie vermutet, „dass Swisscom beim Bau des Glasfasernetzes Konkurrenten vom Markt ausschliesst“. Bei einer P2MP-Architektur ist dies weitgehend der Fall. Es ist aber auch bei einer P2P Architektur möglich. Effektiv geht es weniger um die gewählte Netzarchitektur, aber viel mehr um den freien Zugang zur Glasfaser für alle Interessierten. Es geht um Wettbewerb auf Ebene Infrastruktur. Mit den Kupferinfrastrukturen der Swisscom respektive der Kabelgesellschaften war dieser in den weitaus meisten Gebieten der Schweiz gegeben und hat wesentlich zur sehr guten Breitbandversorgung der Schweiz beigetragen. Mit dem „Ableben“ des Kupfers in den folgenden Jahren muss dieser Markt aber sichergestellt werden, zum Wohle der Kundinnen und Kunden. 

Was der Strategiewechsel für potenzielle FTTH-Kooperationspartner wie lokale Energieversorger bedeutet, wird sich weisen. Swisscom dürfte durch die etwas aufwändigere P2P-Architektur auch weiterhin Interesse an Baukooperationen haben. 

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