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Wenn jemand in den letzten Jahren Dynamik in den Schweizer Telekommarkt gebracht hat, dann Salt. Der neuste Schachzug gibt dem Unternehmen flächendeckenden Zugang zu Glasfasern der Swisscom. Das könnte die Swisscom von einem reaktiven in einen proaktiven Modus bringen: Swisscom dürfte effektiv und aus eigenen Interessen FTTH-Investitionen bis in die Wohnungen und Geschäftseinheiten tätigen. Nur ist da noch die WEKO Verfügung hängig (init7 hat Swisscom eingeklagt, durch ihre Punkt-zu-Multipunkt-Netztopologie (P2MP) die Konkurrenz zu behindern). Welche Rolle spielt die in der Kooperation Swisscom-Salt? Entkommt Swisscom mit diesem Manöver einem Urteil gegen ihr Interesse?

Swisscom nutzt für ihre Festnetzinvestitionen die sogenannte PON-Technologie (passive optische Netze, Ansatz der WEKO Verfügung). PON ist die wahrscheinlich weltweit verbreitetste Technologie für FTTH-Netze. Sie wird von Telekommunikationsunternehmen vornehmlich für eigene Bedürfnisse eingesetzt. Sie ist leistungsstark und wirtschaftlich attraktiv. Und wenn man im Bau noch eine zweite, vielleicht dritte Faser mitbaut (effektiv werden so parallele und unabhängige FTTH-Netze gebaut), dann kann ein zweiter oder vielleicht dritter Partner diese Netze, und zwar jeweils das gesamte Versorgungsgebiet und nicht nur einzelne Fasern, mitnutzen. Dann ist aber Ende der Fahnenstange. Wirklich open access ist das nicht, zumindest nicht auf Layer 1 (Faserentbündelung).

Was ist mit kleineren, lokalen Dienstanbietern? Fallen Sie zwischen Stuhl und Bank? Was ist mit dem lokalen (Elektrizitäts-)Werk, der Gemeinde, welche einzelne Fasern für den technischen Betrieb von Infrastruktur nutzen möchte? Smart Metering, Wärmeverbund, Gebäudeüberwachung und vieles mehr: für diese Anwendungen sind einzelne Fasern erforderlich, nicht ganze Netze. Dasselbe gilt für lokale und regionale Dienstanbieter mit Marktanteilen von unter 10 Prozent und das oft nur lokal/regional. Sie nehmen eine wichtige Marktrolle ein, können aber nicht ganze FTTH-Netze mitfinanzieren.

Schlussendlich liegt der Ball bei der Gemeinde, wie für Strassen und Energie, auch für Telekommunikation ihre strategisch, politisch, gesellschaftlich relevante Rolle im Bau der neuen Telekominfrastruktur wahrzunehmen. Sie kann technologieneutralen Wettbewerb schaffen und sicherstellen, dass alle Interessierten einen Anschluss mit einer Vielfalt von nationalen und lokalen Serivce-Anbietern erhalten und dass auch lokalen und regionalen Bedürfnissen, z.B. der öffentlichen Hand, Rechnung getragen wird. Die Gemeinde ist gefordert, die politischen Interessen an einer leistungsfähigen Telekominfrastruktur zu vertreten und diesen Investitionsanteil im Sinne einer offenen FTTH-Infrastruktur für mehr Wettbewerb mitzutragen.

Und im Sinne einer Offenlegung: xseed.works unterstützt EVU und KNU, Werke und Gemeinden, Bezirke und Kantone in Planung und Umsetzung von offenen Telekommunikationsinfrastrukturen. Wir helfen Wettbewerb zu schaffen, im Interesse der lokalen Bevölkerung, der Wirtschaft und der öffentlichen Hand, und der lokalen und nationalen Telekommunikationsunternehmen.