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FTTH ist nicht gleich FTTH, wie der aktuelle Prozess der Wettbewerbskommission gegen Swisscom zeigt.  Die Netzarchitekturen Punkt zu Punkt (P2P) und Punkt zu Multipunkt (P2MP) haben ihre Stärken und Schwächen. Eine hybride Netzarchitektur nutzt die Stärken beider Architekturen und kann die jeweiligen Schwächen kompensieren.

Point-to-point P2P
Jeder Kunde wird mit einer dedizierten Glasfaser ab zentralem POP erschlossen und kann so individuell bedient werden.
Point-to-multipoint P2MP
Eine Faser ab POP bedient viele Kunden. Dieser Faser wird im Feld auf viele einzelne Fasern passiv aufgeteilt, das ganze wird dann als „Baum“ (ein Stamm, viele Äste) bezeichnet. Damit kann ein Baum, nicht aber ein Kunde individuell bedient werden.

Der aktuelle FTTH-Disput vor der Wettbewerbskommission beweist: FTTH ist nicht gleich FTTH. Spätestens seit der wettbewerbsrechtlichen Klage der Init7 gegen Swisscom wissen wir das. Bei der Punkt-zu-Punkt Architektur wird jeder Kunde mit einer dedizierten Glasfaser erschlossen. Jedem Dienstanbieter kann diese Faser zugewiesen werden, wenn er einen Kunden gewonnen hat. Dazu muss lediglich die Faser des Kunden in die Stecker (sog. Ports) des Dienstanbieters umgesteckt werden. Es ist deshalb die bevorzugte Architektur eines Netzbetreibers mit einer offenen Infrastruktur.

Bei der Punkt-zu-Multipunkt Architektur hingegen bedient eine Faser viele Kunden. Dieser Ansatz führt zu reduzierten Investitionen bei bestehenden Netzbetreibern. Damit wird es die bevorzugte Architektur für Dienstanbieter mit bereits gebauter Netzinfrastruktur (Swisscom, Kabelnetzunternehmen), weil allenfalls bestehende Glasfasern weiter genutzt werden können. Im Falle von kompletten Netzneubauten sind die Ersparnisse gegenüber einem Punkt-zu-Punkt-Netz eher gering. Was aber bedeutender ist: ein dritter Dienstanbieter kann nicht mehr eine Faser zum Kunden x mieten, sondern muss das Netz flächendeckend mit jeweils einer Faser zu allen Kunden mieten, einzelne Fasern geht nicht. Für kleine Anbieter ist dieser Ansatz ein Todesstoss.

Ergänzend sei an dieser Stelle erwähnt, dass eine P2P-Architektur immer auch als P2MP Architektur genutzt werden kann, nicht aber umgekehrt.

Seit Glasfasernetze gebaut werden, insbesondere mit der Beteiligung der öffentlichen Hand, wird der diskriminierungsfreie Zugang zu Glasfasern diskutiert. Alle sollen Zugang haben, grosse nationale als auch kleinere lokale Dienstanbieter. xseed.works erwartet mittelfristig, dass die nationalen Anbieter Swisscom, Sunrise UPC und Salt im Markt der Privatkunden zusammen 60% bis 85% Marktanteil haben werden. Kleinere Anbieter teilen sich den Rest von 15% bis 40% Marktanteil. Genau da setzt die hybride Architektur an.

Hybrid – P2P und P2MP gemischt

Basierend auf diesen Annahmen werden Hausanschluss und Inhouse-Verkabelung im 4-Fasermodell in der P2P-Architektur gebaut. In der Zuführung zum Hausanschluss dagegen werden nur 20% bis 25% der Fasern verbaut, ca. 3% davon werden als Feeder für eine P2MP eingesetzt, die restlichen +/- 20% für P2P Anwendungen. Eine Voraussetzung ist, dass am Feeder/Drop Übergang die Möglichkeit zum Umstecken von Fasern besteht (passive POP, z.B. Trafostationen).

Damit sind alle Applikationen möglich, das Netz kann offen für alle betrieben werden: Init7 und andere können einzelne Fasern mieten, die nationalen Anbieter können die 2PMP-Architekturen  umsetzen. Die Investitionen dürften leicht geringer ausfallen. Und sollte sich der Markt anders als erwartet entwickeln, könnte oder müsste der Feeder zu gegebenem Zeitpunkt erweitert werden.

xseed.works unterstützt Energieversorgungsunternehmen in der Strategieentwicklung, in Konzeption und in der Umsetzung einer leistungsfähigen und offenen Kommunikationsinfrastruktur FTTH. Gerne begleiten wir auch Sie auf dem Weg, eine offene FTTH Infrastruktur mit entsprechendem Geschäftsmodell zu realisieren. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Gregor Eugster

xseed.works GmbH

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